Mein Freund in Deutschland, meine Freunde, Familie, Gemeinde in Deutschland – alle meine Lieblingsmenschen weit weg. Auch meine Gewohnheiten waren weg. Alles war neu und ungewohnt. Das beschäftigte mich sehr und ich erlebte große Einsamkeit. Und dann, in meiner zweiten Woche, stand dieser „Conplei Nacional“ vor der Tür – eine Missionskonferenz für Indigene aus ganz Brasilien. In direkter Nachbarschaft erwarteten wir Tausende von Besuchern – Menschen, die ich nicht kannte, die sich untereinander nicht kannten, die ihre Sprachen gegenseitig nicht verstehen und aus allen erdenklichen Kulturen stammen. „Wie soll ich mich denn da wohlfühlen?“, fragte ich mich. Ich fühlte mich automatisch noch einsamer, obwohl ich eigentlich ein sehr offener Mensch bin.
Ich machte mich trotzdem auf den vierminütigen Weg. Auf dieser Strecke betete ich zu Gott und bat ihn, mir gute Begegnungen und Gespräche zu schenken, und dass ich mich nicht so einsam fühlen würde. Als ich „Amen“ sagte, ahnte ich nicht, wie schnell Gott mich erhören würde.
Beim großen Veranstaltungszelt angekommen, suchte ich bekannte Gesichter. Und bereits da grüßte mich Margarete aus Lábrea und erzählte mir, dass sie schon von mir gehört habe. „Wow“, dachte ich mir, „eine Frau spricht mich an, weil sie schon von mir gehört hat.“ Kaum drehte ich mich um, kamen zwei Jungs auf mich zu, die ich beide vom Vorbereitungsseminar in Deutschland kannte. Wir begrüßten uns und fingen direkt an zu quatschen. Wir konnten uns ehrlich und offen austauschen. Ich war so von Dank erfüllt für ein Stück Deutschland, für etwas Heimatliches.
Am nächsten Tag bekam ich dann noch Kontakt zu einem Mann, der mein Englisch in Portugiesisch übersetzte. Es stellte sich dann heraus, dass dieser Übersetzer sogar Deutsch sprach, und so blieben wir noch lange im Gespräch und hatten einen wirklich guten Austausch. Gott hatte mir also wieder ein ganz kleines Stück Deutschland geschenkt, ein ganz kleines Stück Gewohntes.
Dieser Conplei hat mir gezeigt, dass Jesus verbindet, egal welche Sprache wir sprechen oder wo wir herkommen. Danke, Jesus!!
Dieser Bericht ist ein Auszug aus unserer Zeitschrift Werdet meine Zeugen (WMZ).
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